Organhandel in China
Achtung: Dieser Artikel ist nichts für schwache Nerven.
Durch einen Werbetweet vom Public Eye Awards 2010 bin ich auf das Thema Organhandel in China aufmerksam geworden. In der Liste der Unternehmen, die für den Public Eye Award zur Auswahl stehen befindet sich auch das schweizer Pharmaunternehmen “Roche”.
Jährlich über 10 000 Organtransplantationen in China
In China werden pro Jahr über 10 000 Organtransplantationen vorgenommen und das obwohl der tote Körper, laut Konfuzius, unversehrt bleiben müsse und daher die meisten Chinesen nicht freiwillig zum Organspender werden. Dennoch ist China – nach den USA – der größte Markt für Organtransplantationen. Doch woher stammen die Organe?
Ende 2008 gab der chinesische Vize-Gesundheitsminister zu, dass über 90% aller transplantierten Organe von hingerichteten Gefangenen stammen.
Auch andere Quellen informieren darüber woher die Organe aus chinesischen Organtransplantationen stammen.
“Die Organe stammten von politischen Gefangenen, Todestraktinsassen und Leuten, die Falun Gong üben.”
hieß es im Interview mit jemandem, der vom Organhandel in China profitierte.
Laut Amnesty International kam es in China im vergangenen Jahr zu mindestens 1718 Hinrichtungen, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher, zwischen 6000 und 8000 Exekutionen, liegen. Jedem Toten können nach der Hinrichtung mehrere Organe entnommen werden, die dann verkauft werden. Die Angehörigen erfahren in der Regel erst nach Vollstreckung der Todesstrafe von dieser und müssen dann noch für die Exekutionskosten und die Einäscherung bezahlen.
Todesstrafe in China
In China wird für fast 70 Delikte die Todesstrafe verhängt. Mit 1718 Menschen im Jahre 2008 (von insgesamt 2390 Menschen weltweit!) ist China das Land mit den meisten Hinrichtungen. Zudem fallen in China viele Hinrichtungen unter das “Staatsgeheimnis” die wirkliche Anzahl der Hinrichtungen kann also deutlich höher liegen. Neben Vergewaltigung, Menschenhandel und sogar Steuerhinterziehung gibt es in chinesischen Gefängnissen und Arbeitslagern auch viele sog. “Gewissensgefangene“. Dazu zählen in China besonders die Anhänger von Falun Gong.
Falun Gong
Schon vor einem halben Jahr hatte mir Chaim erzählt, dass er einen Tag in Düsseldorf war und dort an einem Infostand eine Broschüre über die Verfolgung von Falun Gong Praktizierenden in China bekommen hat.
Falun Gong ist eine Meditationspraxis, eine Art Glaubensgemeinschaft die oft auch als Sekte bezeichnet wird. Die Anhänger von Falun Gong werden in China massiv verfolgt und in Lagern zur “Umerziehung durch Arbeit” festgehalten. Neben vielen mysteriösen Todesfällen im Rahmen von Folter in diesen Lagern sterben auch etliche Menschen im Todestrakt der chinesischen Gefängnisse durch offizielle Hinrichtungen.
Interessant zu beobachten ist, dass das Angebot der Organetransplantationen parallel zur Verfolgung von Falun Gong Anhängern steigt.
Das Engagement von Roche in China
Der Pharmakonzern Roche stellt unter anderem ein Medikament namens “Cell Cept” her. Dieses verhindert, dass transplantierte Organe vom Körper abgestossen werden. Trotz der chinesischen Zustände vertreibt Roche dieses Medikament auch auf dem chinesischen Markt und stellt es seit einigen Jahren sogar in China her. Darüber hinaus führt Roche zwei Studien mit ca. 300 transplantierten Organen durch, die die Wirkung des Medikaments erforschen soll. Diese Studien werden u.a. auch in chinesischen Kliniken durchgeführt, bei denen nicht sicher ist woher die transplantierten Organe wirklich stammen.
Der Public Eye Award
Auf der Seite des Public Eye Award kann man für die “schlimmste Firma” 2010 abstimmen. Neben Roche stehen unter anderem auch die Royal Bank of Canada und das Olypmische Komitee zur Auswahl. Mit dem Public Eye Awars sollen Konzerne angeprangert werden, die unethisch handeln. Ab 2010 wird außerdem ein “GreenWash” Award für Unternehmen vergeben die versuchen ihr Image mit einer Pseudo “Go Green”-Strategie reinzuwaschen.

